‭                        ❤ WILLKOMMEN

Ich bin das Mädchen aus der letzten Reihe. Nicht, weil dort Platz war – sondern weil niemand fragte, ob ich näher rücken möchte.

Meine Augen erzählen ganze Romane. Unendliche Sätze über Liebe, Verlust, über das Bleiben und das Gehen.

Doch meine Lippen haben das Schweigen perfektioniert, weil jedes Wort zu viel gewesen wäre für diese Welt, die selten nur zuhört.

Pause.
Ein Atemzug.
Er schmerzt.

Ich spreche Unsichtbarkeit wie eine Muttersprache. Sie wurde mir frü beigebracht. Und ich zucke kaum noch, wenn fremde Ellbogen meine Magengrube treffen, als wäre dort nichts Weiches, nichts Zerbrechliches. Die Leute sehen weg. Und niemand sagt Entschuldigung. Vielleicht, weil es leichter ist, nicht zu fühlen.

Ich stelle mich hinter große Gestalten. Nicht wegen ihrer Höhe, sondern wegen ihres festen Glaubens, bedeutend zu sein. Sie werfen einen Schatten, breit und zuverlässig. Darin verschwinde ich. Darin muss ich nicht winken. Darin werde ich zum Glück übersehen und langsam vergessen.

Ich bin das Mädchen aus der letzten Reihe, das Mut sammelt wie andere Leergut. Flasche für Flasche gefüllt mit Hoffnung. Zerkratzt, angebrochen, mit Pfandmarken aus alten Träumen. Doch an der Kasse reicht es nicht für Sicherheit. Nicht einmal für Ruhe.

Ich gehe hinter den mutigen Stimmen her. Den klaren und lauten Worte. Von Leute gesprochen, die keine Angst davor haben gehört zu werden. Ihre Worte ritze ich mir unter die Haut, vorsichtig, mit Bleistift. Für den Fall, dass ich sie ausradieren muss, um zu überleben.

Mein Gesicht verstecke ich zwischen Buchseiten. Denn Geschichten bleiben, auch wenn man sie umblättert. Dort kennt man mich. Zwischen all den Absätzen flüstert jemand meinen Namen, während draußen niemand nach ihm sucht.

Atempause.
Ganz leise.

Ich bin das Mädchen aus der letzten Reihe, das aus Fenstern schaut und die Wolken beim Umziehen beobachtet. So habe ich gelernt, wie Zeit vergeht: Nicht laut, sondern sterbend, Sekunde für Sekunde, ohne Abschied.

Ich bin die, der man ausweicht, weil man sagt, Schwermut sei ansteckend. Keine Sorge. Ich verschenke sie nicht. Ich halte sie fest. Für die Stunden, in denen die Nacht schwerer auf mir liegt als jeder Schlaf. Kopfhörer tief im Haar vergraben, damit niemand hört, wie sehr ich brenne. Melodien halten mich zusammen. Menschen wollen Gründe.

Erklärungen.
Antworten.

Musik verlangt nur, dass ich bleibe. Dass ich atme. Dass ich nicht aufgebe.

Ich bin das Mädchen aus der letzten Reihe, das dir um ein Uhr nachts schreibt und es Zufall nennt. Zärtlichkeit in Zimmerlautstärke. Herzklopfen auf Zehenspitzen. Ich träume von dir. Zu oft. Zu ehrlich. Ein wenig kitschig. Ein wenig töricht. Doch irgendwer muss lieben, wenn alle anderen frieren. Meine Sehnsucht flüstert, weil diese Welt keinen Platz für meine Lautstärke hat.

Lange Pause.
Ein Atemzug.
Noch einer.

Ich bin das Mädchen aus der letzten Reihe. Und jetzt stehe ich hier. Ohne Bank und ohne Ordnung. Ohne Schatten und ohne verstecken. Ich bin eine Frau. Mit Narben, wenn man nah genug kommt hört man ihre Geschichten. Mit müden Augen, die trotzdem hoffen. Mit einem Herzen in der Brust, viel zu groß für manche und viel zu ehrlich für diese Welt.

Du siehst mich vielleicht noch immer nicht. Das ist in Ordnung. Ich habe gelernt, mich selbst zu sehen. Und glaub mir: Ein Licht, das sich selbst liebt, leuchtet nicht grell, aber es hört niemals auf zu scheinen.

Danke

Dieser Abschnitt drückt Dankbarkeit gegenüber den Benutzern für ihr Engagement, ihre Unterstützung oder getroffene Maßnahmen aus. Er versichert ihnen Ihr Engagement, Wert zu schaffen und eine dauerhafte Beziehung aufzubauen.

No responses yet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Latest Comments

Es sind keine Kommentare vorhanden.